Die meisten Bürger in Baden-Württemberg fühlen sich durch die aktuellen Preissteigerungen stark belastet. Viele schränken sich bereits deutlich ein und üben Konsumverzicht, um die Folgen der Inflation für sich persönlich abzufedern. Dies sind zwei zentrale Erkenntnisse des neuen BaWü-Check, einer Untersuchung des Allensbach-Instituts im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage.

Siebzig Prozent der befragten Baden-Württemberger sagen, dass sie die gestiegenen Preise als starke oder sogar als sehr starke Belastung empfinden. Davon nehmen 24 Prozent die Inflation als besonders gravierend wahr. Auch wenn die Preissteigerungen nahezu jeder spürt, ist die persönliche Betroffenheit sehr unterschiedlich: In den unteren Einkommensgruppen fühlen sich 82 Prozent sehr stark oder stark belastet, in den höheren Einkommensgruppen deutlich weniger – nämlich 56 Prozent.

Sparen bei Benzin, Strom, Lebensmitteln

Als besondere Zumutung empfindet die Bevölkerung die höheren Kosten für Benzin, Strom, Lebensmittel und Heizen. Entsprechend versucht ein Großteil von ihnen gerade hier sparsamer zu sein. 53 Prozent schränken sich derzeit beim Autofahren ein, indem sie versuchen, Sprit zu sparen. 51 Prozent haben ihre Restaurantbesuche reduziert, 48 Prozent schränken sich beim Kauf von Kleidung ein, 44 Prozent bei Urlaub und Reisen und 43 Prozent beim Kauf von Lebensmitteln. Ebenso viele drosseln ihren Stromverbrauch oder unternehmen weniger in ihrer Freizeit.

Im Juni stiegen die Verbraucherpreise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts um 7,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Mai hatte die Inflationsrate noch bei 7,9 Prozent gelegen. Möglicherweise haben staatliche Maßnahmen wie der Tankrabatt und das Neun-Euro-Ticket einen weiteren Anstieg der Inflation verhindert. Die Experten rechnen aber noch auf längere Sicht mit hohen Inflationsraten. Bundeskanzler Olaf Scholz hatte am Montag eine Konzertierte Aktion von Regierung, Gewerkschaften und Arbeitgebern gestartet, mit der die schädlichen Wirkungen der Inflation abgemildert werden sollen.

Die Inflationssorgen drücken laut Allensbach-Institut zusammen mit dem Ukraine-Krieg massiv auf die Stimmung der Bürger. Nach wie vor sieht nur knapp jeder vierte Baden-Württemberger den kommenden zwölf Monaten mit Hoffnungen entgegen, die große Mehrheit bleibt tief besorgt: Knapp jeder Dritte blickt mit ausgeprägten Befürchtungen auf die nächsten Monate, ebenso viele mit Skepsis.