„Wenn der Abend nicht in der Fritty Bar endete, dann war es kein richtiger Abend!“ Mehr als Nachdruck liegt in Josephines Stimme. Es ist die pure Selbstverständlichkeit, mit der sie auf den Punkt bringt, was alle denken, die da neben ihr auf den Holzbänken hocken.

Wie viele Nächte ist sie mit ihren Mitstudierenden da gelandet! Nächtens oder am frühen Morgen, nach Proben und Konzerten mit dem Akademischen Chor und Orchester der Universität Stuttgart. Auch jetzt seien sie wieder von einer Probe gekommen, bestätigt Kommilitone Lukas. Um sich fit zu machen für „unser Konzert am kommenden Wochenende, am 8. Juli in der Liederhalle“, lacht er, und um einmal mehr die „legendären, besten Pommes der Stadt“ genießen. Wohl die letzten für lange Zeit, aber er hofft, nicht für immer. „Sie wollen anderswo wieder aufmachen. Wir sehen uns dann.“

Vor fast 35 Jahren eröffnet

Hier an der Königstraße 51 ist es indes die letzte Nacht der Fritty Bar, die die Eltern von Chef Niko Papanikos vor fast 35 Jahren eröffneten. Seine Geschäftsführerin Fotini Axiotopoulou erläutert: „Der Mietvertrag wurde vom Vermieter nicht weiter verlängert, das Gebäude wird kernsaniert. Wir suchen neue Räume an einem anderen Standort, zwei Angebote haben wir. Mal sehen.“ Nun werde es erst einmal hart, die über 20 Mitarbeitenden würden arbeitslos. „Aber in dieser Nacht haben wir nochmals bis zum Morgen auf, dann ist noch Ausverkauf!“

Axiotopoulou schaut kurz in die Ferne, sagt dann bewegt: „Das war mehr als ein Imbiss, das war ein Treffpunkt. Nach ein Uhr wird hier etwas abgehen.“ Wie schon unzählige Male zuvor, in denen das Fritty Dreh- und Angelpunkt für Nachtschwärmer war. „Schlaflos in Stuttgart!“ Eine Mittvierzigerin, die gerade an der Theke bestellt, nickt. „Jeder kam her! Und traf auf andere Schlaflose, Clubgänger oder einfach Hungrige nach Mitternacht.“

Alle Tische besetzt

Appetit haben am Abschiedsabend schon viele kurz vor 21 Uhr. Alle Tische sind besetzt, Fans von Gyros, Souflaki, Steak, Fladenbrot, Salat, Veggie-Gerichten und eben Pommes frites à la Fritty Bar reihen sich geduldig in der Schlange vor dem Tresen ein. „Das Nachtleben wird ärmer, wenn hier ein Investor einen Neubau mit Büros hinknallt“, ist zu hören. Der junge Mann, der das sagt, hat die Petition unterschrieben, die Flix Schweiker auf Change.org startete, um den Club Toy und die Fritty Bar in der Stuttgarter Innenstadt zu retten. Fast 4200 Menschen haben darunter bis zur letzten Nacht ihre Namen gesetzt.

Seit Jahren kommt auch Nele Krauß zur Imbissbude. „Sie hat mich so manche Nacht gerettet“, schmunzelt die Psychologin – und bekräftigt, was an diesem Abend oft zu hören ist: „Ich werde die Fritty Bar vermissen.“