Der Gastronom Helmut Kegel aus der hessischen Gemeinde Schöffengrund hat sich auf die Bewirtung von Großveranstaltungen, bevorzugt bei Festivals, spezialisiert. Nur wenige Caterer gibt’s in Deutschland, die Zehntausende von Besucherinnen und Besucher innerhalb von kurzer Zeit möglichst gleichzeitig versorgen können. Dass es am Samstagabend bei den Fantastischen Vier auf dem Cannstatter Wasen nicht so funktioniert hat, wie es sich der Hesse wünscht und wie er es vor Corona meist hinbekommen hat, ärgert ihn sehr.

45 000 Fans waren auf dem Platz. Es war heiß. Die Leute waren durstig. Das Personal an der Getränke- und Essensausgabe bestand aus 400 Frauen und Männern. „Viele waren zum ersten Mal im Einsatz“, sagt Kegel. Entsprechend schwer taten die sich beim Zapfen (auch das ist eine Kunst!) oder beim Rausgeben. Bevor die Fantas zu „MfG“ auf der Bühne standen, wollten sich wohl alle Besucherinnen und Besucher noch mal was zum Trinken holen – die Schlangen wurden lang und länger. Die Masse ballte sich am unteren Teil des Festivalgeländes – weiter oben dagegen in Richtung Cannstatter Kanne, beim Platz der Fruchtsäule, lief’s besser.

„Für manche Jobs findest du keine Deutschen mehr“

Wer sich während des Konzerts mit Getränken versorgte, musste nicht so lange warten. Wirt Helmut Kegel hat sich seitdem „die Finger wund telefoniert“, wie er sagt, um für den nächsten Aufmarsch der Fans auf dem Wasen – für die Heavy-Metal-Band Iron Maiden am nächsten Samstag – doch noch mehr Hilfskräfte zu finden. Auch dann ist der Hesse für die Bewirtung verantwortlich. Kegel ist zuversichtlich, dass dann 500 statt zuletzt 400 bei den Fantas für ihn arbeiten – an mehr Ständen. Außerdem wird das Personal mit der mobilen Versorgung – bei den Fantas waren 60 Helfer mit Bierkanistern auf dem Rücken unterwegs – aufgestockt. Speziell dafür „findest du keine Deutschen“, sagt Kegel. Er hat deshalb eine größere Gruppe aus Ghana engagiert, die diesen schwierigen Job sehr gut gemacht hätten.

„Bei Rammstein hatten wir auch mal Schlangen an den Ständen, was aber bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung ganz normal ist“, sagt Arnulf Woock, der Sprecher vom Musiccircus. Sein Rat: „Es empfiehlt sich, in den Stoßzeiten kurz vor Beginn der Hauptband nach mobilen Verkäufern Ausschau zu halten oder einen Bierstand zu wählen, der zwar weiter weg , an dem aber weniger los ist.“

Kostenloses Wasser für die Fans auf dem Wasen

Auf die Hitze und die Schlangen an den Getränkeständen bei den Fantas haben die Veranstalter sehr schnell reagiert, worauf Matthias Mettmann, der Geschäftsführer von Chimperator, hinweist: „Wir haben die kostenlose Wasserentnahmestellen geöffnet, Becher dafür verschenkt und am Eingang nicht mehr so streng bei den Wasserflaschen kontrolliert.“ Sein Eindruck vom Samstagabend: „Ganz vorne und auf einer Seite stellenweise – für etwa eine Stunde – lief es nicht gut und es kam in der Tat zu längeren Schlangen.“ Die Personalnot der Gastronomie, die beim Sommerfest sogar für die Absage gesorgt hat, habe durchgeschlagen. „Es waren viele ungelernte Aushilfen im Einsatz, nicht nur Profis“, sagt Mettmann. In den sozialen Medien sind Stimmen zu lesen, man müsse froh sein, dass überhaupt noch was geht und sollte nicht immer nur klagen.

Bei Rock am Park und Rock am Ring wird bereits mit Armbändern bezahlt

Für die Zukunft wünscht Caterer Helmut Kegel die bargeldlose Bezahlung, wie dies bei Rock im Park und Rock am Ring bereits möglich war. Statt Cash gibt’s neuartige Armbänder, die „Wristbands“ genannt werden. Die beinhalten „Cashless-Chips“, mit denen auf dem gesamten Gelände bezahlt werden kann – beim Essen, bei den Getränken, auch beim Merchandising. Die Armbänder kann man m Vorverkauf aufladen oder vor Ort. „Wenn kein Geld mehr herausgegeben werden muss, spart uns das viel Zeit“, sagt Kegel, „und Kosten, weil wir Banken nicht mehr für Wechselgeld bezahlen müssen.“