Elfmeter-Pfiff gegen den BVB sorgt für Ärger

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Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe sieht gleich zwei entscheidende Fehler, internationale Kommentatoren sind fassungslos: Die Entscheidung von Tobias Stieler, im DFB-Pokalspiel zwischen Bochum und Dortmund einen Handelfmeter zu geben, bringt neuen Schwung in eine andauernde Debatte.

Schiedsrichter Tobias Stieler stand im Mittelpunkt. Knapp 60 Minuten waren im DFB-Pokal-Achtelfinale gespielt, als Bochums Anthony Losilla aufs Tor schießen wollte, aber nur den Arm von Dortmunds Jamie Bynoe-Gittens traf. Der hatte den Arm zwar an den Körper angelegt und drehte sich vom Ball weg, für Stieler aber war die Sachlage offensichtlich eindeutig genug, um auf Elfmeter zu entscheiden. „Der Arm ist leicht abgewinkelt“, sagte der Unparteiische anschließend am ARD-Mikrofon, „nicht mega viel, aber er ist auch nicht ganz eng am Körper und für mich hat es dann eben ausgereicht, um auf Strafstoß zu entscheiden“.

Eine Einschätzung, die längst nicht überall geteilt wurde, auch wenn Stieler vom Feld berichtete, dass es unter den Fußballern des VfL Bochum und Borussia Dortmund „nie ein Thema“ gewesen sei, „ob es Handspiel“ war – sondern nur, ob sich Bynoe-Gittens und sein Arm in jenem Moment innerhalb oder außerhalb des Strafraums befunden hätten. „Für mich haben mehr Argumente für den Elfmeter gesprochen als gegen den Elfmeter“, sagte der 41-Jährige, wieso er seine erste Entscheidung nicht revidiert habe. ntv-Schiedsrichterexperte Alex Feuerherdt twitterte bei „Collinas Erben“, dass „keine unnatürliche Vergrößerung des Körpers“ zu erkennen sei – und Bynoe -Gittens sogar offenkundig versuche, „das Handspiel zu vermeiden“, aber: „Stieler hat das anders bewertet.“

Bei den Kommentatoren des argentinischen Ablegers des US-Sportsenders ESPN kam das ganz schlecht an, wie Javier Caceres auf Twitter berichtete. Deren vernichtendes Urteil: „Schrecklich, dieser Schiedsrichter.“ Dem Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge drehte sich die Diskussion dort vor allem darum, „dass Stieler sich einen Bock geleistet hat“.

Der Schiedsrichter lief nach kurzer Verständigung mit dem Video-Assistenten an die Seitenlinie, um sich die Szene selbst noch einmal anzuschauen. Minutenlang, dabei war der Video Assistant Referee einst auch damit beworben worden, schnell zu Entscheidungen zu kommen. Stieler aber ließ vorspulen, zurückspulen, die Perspektive wechseln – ehe er sich nach einer gefühlten Ewigkeit umdrehte und erneut auf den Elfmeterpunkt deutete.

War das vorher nicht ein Foul?

Caceres zitierte, Stieler habe den ESPN-Kommentatoren zufolge „das Spiel kaputt gemacht“ und es sei spürbar, „dass die Spieler sich ungerecht behandelt fühlen“. Die Handspiel-Regel ist seit Jahren ein andauerndes Streitthema, wurde inzwischen so oft angepasst und neu ausgelegt, dass die meisten Nicht-Schiedsrichter nur noch abwinken, wenn wieder ein Handelfmeter gepfiffen wird. Mal belustigt, mal genervt, mal fassungslos. Selbst Fußballprofis und Trainer geben regelmäßig zu, aufgegeben zu haben, die Handspiel-Regel durchdringen zu wollen.

Auch der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe, immer wieder scharfer Kritiker seiner ehemaligen Kollegen, schätzt die Entscheidung als Fehler ein. „Nicht strafbar“, twitterte der frühere Top-Referee, weil Bynoe-Gittens seinen Arm „nah am Körper“ und „in natürlicher Bewegung“ halte. Der 49-Jährige geht auch auf die von Caceres zitierten ESPN-Kommentatoren ein und fällt ein ebenso vernichtendes Urteil nicht nur über Stieler, sondern auch über die deutschen Referees insgesamt: „Es ist bedenklich, dass aller Orten noch so entfernte Personen alle das deutsche Schiedsrichterwesen gleich einschätzen: mit seit Jahren immer mehr sinkender Qualität.“

Zumal es laut Gräfe unmittelbar vor dem angeblichen Handspiel ein „klares Foul“ an Bynoe-Gittens gegeben habe. Dieser war am Strafraum von Saidy Janko gestoßen worden. „In den Rücken mit beiden Händen“, so Gräfe. Diese Wiederholung aber war auf Stielers Bildschirm nicht zu sehen – weil er „live einen ganz guten Eindruck“ davon gehabt habe und „keinen Grund“ gesehen habe, „da Foul zu pfeifen“. Bleibt die ewig lange Entscheidungsfindung mit dem VAR über ein Handspiel. „Ganz klar“, gab sogar Stieler in der ARD zu, „es ist nicht die Mutter aller Handelfmeter, da brauchen wir gar nicht drüber streiten“.

Stieler kann es sogar „gut nachempfinden und nachvollziehen, wenn jemand eine andere Auffassung zu dieser Szene hat“. Das gilt offenbar auch für den Video-Assistenten, der mit ihm gemeinsam über den Elfmeterpfiff beraten hat. Dieser habe dem Schiedsrichter zufolge „Bauchschmerzen mit der Entscheidung“ gehabt, zumal sich die Frage nach dem Ort des von ihm erkannten strafbaren Handspiels nicht habe auflösen lassen. „Es konnte nicht definitiv geklärt werden, ob innerhalb oder außerhalb [des Strafraums]“, so Stieler weiter: „Dann bleibt die Feld-Entscheidung stehen.“ Eine Entscheidung, die die Debatte um die Qualität der deutschen Schiedsrichter, den Mehrwert des Video Assistant Referee und die Handspiel-Regel einmal mehr befeuern dürfte.

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Elfmeter-Pfiff gegen den BVB sorgt für Ärger

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