Wieder kein Turnier der wirklich Besten

Lange her. Leon Draisaitl trug letztmals bei der WM 2019 in der Slowakei das deutsche Nationaltrikot.
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Die schlechte Kunde kam für die deutschen Eishockey-Fans, bevor überhaupt klar war, ob Leon Draisaitl zur Weltmeisterschaft fahren kann. Das wäre nämlich möglich, wenn der beste deutsche Angreifer mit den Edmonton Oilers aus den Play-offs in der National Hockey-League (NHL) ausscheidet, was wiederum erst frühestens in der Nacht zum Sonnabend möglich ist.

Im ersten von sieben Gruppenspielen der Deutschen gegen Kanada am Freitag (19.20 Uhr, Sport 1) hätte Draisaitl also in jedem Fall nicht gespielt, aber er wird auch nicht nachkommen zum Turnier nach Finnland, das stellte der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) schon mal klar.

Sicher spielen da, wenn ausgeschieden, die Oilers eine Rolle, die nicht wollen, dass sich ihr Superstar verletzt. Und somit spielt dann wieder der DEB eine Rolle, weil er die stattliche Versicherungssumme für Draisaitl womöglich nicht berappen kann. Sportlich gesehen ist es bitter für das DEB-Team, dass der beste Spieler seit nunmehr drei Jahren nicht mehr für die Nationalmannschaft aufläuft, fataler aber ist die Außendarstellung für das deutsche Eishockey und diesen Sport im Allgemeinen.

Seit den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wurden im Welteishockey bei keinem Turnier mehr die bestmöglichen Nationalteams aufgestellt. Macht acht Jahre ohne ein Turnier der wirklich Besten. Welche Mannschaftsportart kann so etwas schon von sich behaupten?

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Dieser traurige Umstand liegt wohl allein an der Selbstherrlichkeit der NHL, aber die wird aus der Szene heraus schon aus Gründen struktureller Abhängigkeit nicht kritisiert, vielmehr wird auch vom Weltverband IIHF um ihre Gunst gebuhlt: In Finnland wird auf kleineren Eisflächen gespielt als sonst in Europa üblich, was den NHL-Stars entgegenkommt. Das Gebolze auf dem engen Eis sind sie ja gewohnt.

Einige Größen kommen zum Turnier nach Finnland, vor allen bei den europäischen Teams, den Schweizern zum Beispiel, bei denen Jungstar Nico Hischier (New Jersey Devils) im Aufgebot steht. Der Angreifer war vor fünf Jahren als Erster im sogenannten Draft in der NHL dran.

Und dann ist es – verständlich – auch die erste WM ohne Russland seit 1953, ein Jahr später nahmen die Sowjets erstmals an einer WM teil. Es gibt nach dem schnöden Olympia-Turnier von Peking ohne die großen Namen nun also ein WM-Turnier mit vor allem mittelgroßen Namen unter den Spielern. Die Finnen wird es weniger stören. Eishockey ist in Finnland Sportart Nummer eins und die Begeisterung im Land des aktuellen Olympiasiegers wird bei den Spielen in Tampere und Helsinki groß sein.

Zum Auftakt geht es für Deutschland am Freitag gleich gegen Kanada

Wo die Reise für das deutsche Team hingeht, ist nach dem seltsamen Olympiaauftritt von Peking eine spannende Angelegenheit, zumal ohne den in Deutschland unbekanntesten internationalen Superstar im Sport (Draisaitl) ja trotzdem ein paar starke Spieler aus der NHL im DEB-Team stehen – und womöglich noch die in der unterklassigen AHL beschäftigten John Jason Peterka und Lukas Reichel nachkommen können; das wird für den DEB weniger teuer als bei Draisaitl.

Das kanadische Team ist zum Auftakt schon mal ein harter Gegner für die Deutschen, die Nordamerikaner haben fast nur Spieler aus der NHL im Aufgebot, allerdings eher aus der zweiten, dritten Reihe. Im Tor dürfte als einziger NHL-Goalie im Kader Chris Driedger stehen. Er ist im Beruf zweiter Torwart bei den Seattle Kraken, hinter Philipp Grubauer. Die Beiden können sich also am Freitag zuwinken, denn zum Glück für Bundestrainer Toni Söderholm ist Grubauer in Finnland dabei.

Auch die Ersatztorhüter Mathias Niederberger (noch Berlin) und Justin Strahlmeier (Wolfsburg) können sich sehen lassen, was die Hoffnungen des deutschen Teams nicht schmälert. Dass es ohne Leon Draisaitl gehen muss, sind sie ja gewohnt. Und wie sagte Toni Söderholm unlängst so schön: „Lasst uns über die reden, die da sind. Und nicht über die, die nicht da sind.“

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