Was die Eisbären so stark macht

Heidewitzka. Zach Boychuk (links) nach seinem Treffer zum 2:0 am Donnerstag.
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In der S-Bahn Richtung Warschauer Straße am frühen Donnerstagabend: Eine dreiköpfige Gruppe der (geschätzt) Mitdreißiger trinkt sich mit fränkischen Bier warm für das bald beginnende dritte Play-off-Viertelfinalspiel der Eisbären gegen die Kölner Haie. Offensichtlich sind die Herren mit bayrischem Zungenschlag vom Fach, sie unterhalten sich über ihre Karrieren im Eishockey. Unfassbar sei das damals gewesen in der Oberliga Süd, sagt einer.

„Wir hatten in Rosenheim einen Kanadier, der stand immer nur an der roten Linie, wartete auf den Pass und hat jedes Spiel gepunktet. Bewegt hat der sich selten, obwohl der nichts anderes gemacht hat als Eishockey.“ Während man selbst nach zehn Stunden Schicht und langer Auswärtsfahrt hundemüde auf dem Eis gestanden habe – als Amateur. Der Profi aus dem Ausland bekam „vier Komma fünf Steine im Monat“. Es seien sogar „fünf Steine gewesen“, sagt ein anderer. Ja, damals in der Oberliga Süd. Die S-Bahn nähert sich dem Ziel, Ausstieg Warschauer Straße, die Gruppe läuft schnurstracks zur Mercedes-Benz-Arena. „Warmmachen geht gleich los.“
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Nach dem Warmmachen waren die Spieler der Eisbären dann so heiß, dass sie die Kölner Haie humorlos 4:0 abfiedeln und somit die nach dem Modus „Best of five“ gespielte Play-off-Serie nach drei Siegen in drei Spielen in fünf Tagen beenden konnten. Der Einzug ins Halbfinale stand für den Meister der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nie in Frage, zu überlegen waren sie den Kölnern – was am klugen Trainer Serge Aubin und sicher auch an der Zusammenstellung der Mannschaft lag:

Die Eisbären sind stärker und auf hohen Niveau breiter besetzt als die Konkurrenz: Am Donnerstag saßen mit Johan Södergran und Simon Després wieder zwei ausländische Profis auf der Tribüne, weil die Berliner ihr Kontingent an sogenannten Importspielern auf dem Eis ausgereizt hatten. Die Eisbären leisten sich einen Luxus, den sich weite Teile der Ligakonkurrenz nicht leisten kann. Und im Unterschied zu einem Spieler aus der Oberliga Süd entlohnen sie ihr Personal auch nicht in Steinen, sondern in Euro und das wohl recht ordentlich.

Scherz beiseite, die Stärke der Berliner ist das Resultat einer für DEL-Verhältnisse gelungenen Personalpolitik. Die Eisbären setzen auf starke ausländische Profis, aber auch auf gute einheimische Spieler, mit Eric Mik und Dominik Bokk haben sie auch zwei jüngere deutsche Spieler im Aufgebot, die schon Leistungsträger sind. Die 18-jährigen Marco Baßler und Bennet Roßmy werden dagegen noch Zeit brauchen, um an das Niveau heranzukommen. Spannend wird zudem, ob Trainer Serge Aubin kommende Saison auch noch mehr auf die Mannschaft aus der Deutschen Nachwuchs-Liga schaut, denn die ist kürzlich sogar Meister geworden – im Finale gegen die Kölner Haie.

Uwe Krupp will lieber für ukrainische Familien spenden als an die DEL

Die Profi-Haie haben übrigens jahrelang versucht, verstärkt Spieler aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen. „Gedankt hat uns das keiner“, sagt Kölns Geschäftsführer Philipp Walter. „Die Leute wollen nur Erfolg sehen.“ Insofern würden die Eisbären wohl vieles richtig machen. Was Uwe Krupp als ehemaligen Trainer der Eisbären auch anerkennt, allerdings hatte der nach Spiel zwei der Serie auch die Schiedsrichterleistungen kritisiert – und wurde dafür von der DEL mit einer Geldstrafe belegt, was Krupp wiederum dazu bewegte, nach Spiel drei nichts mehr zur Spielleitung zu sagen. „Lieber spende ich das Geld an ukrainische Familien, als der DEL auch nur einen Euro zu geben.“

Für Köln ist die Saison vorbei, die Eisbären dagegen sind auf ihren Weg zum neunten Meistertitel dagegen nur schwer zu stoppen in diesen Play-offs. Mit der Brechstange Körperspiel haben es die Kölner nicht geschafft, die Berliner zu beeindrucken. Der kommende Gegner, da ist sich der am Donnerstag doppelte Berliner Torschütze Zach Boychuk sicher, wird es filigraner versuchen. „Das wird eine andere Serie.“ Gegen wen auch immer, es kommen noch vier Gegner in Frage (Mannheim, Straubing, Düsseldorf, Bremerhaven), alle anderen Viertelfinalserien gehen am Sonnabend in ihre vierten Spiele. „Was ein Vorteil für uns ist“, sagt Boychuk. „Wir können bis Mittwoch regenerieren, während sich bei den anderen womöglich Spieler verletzen.“ Und noch einen Vorteil hat der Kanadier ausgemacht: „Wenn die Zuschauer jetzt wieder so zahlreich bei uns in der Arena sind, können wir den Heimvorteil ausspielen.“

Die fast 14.000 anfeuernden Menschen in der Arena am Donnerstag hätten schon für „Extra-Adrenalin gesorgt“ bei ihm. Es war tatsächlich ein rauschendes Fest bei den Eisbären, sicher auch für die drei jungen Ex-Eishockeyspieler aus dem Süden, die mit den „Steinen“ – falls sie denn Freunde der Eisbären sind.

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