Warum sich Shaun Murphy und Stephen Maguire nicht ausstehen können

Shaun Murphy (l.) und Stephen Maguire treffen sich häufiger am Snookertisch, aber eher selten privat.
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Vor ein paar Jahren besuchten Shaun Murphy und Mark Selby während des German Masters in Berlin die britische Botschaft. In einem kleinen Minibus rauschten die beiden Engländer mit einer Gruppe von Journalisten durch die Stadt. Murphy war unterwegs sehr interessiert und schien Snooker und das Turnier für den Moment komplett vergessen zu können. Bis irgendwann jemand anfing, von Stephen Maguires Match zu sprechen, das der gerade im Tempodrom verloren hatte. Murphy und Selby schauten sich an und witzelten gemeinsam über ihren schottischen Kollegen.

Dass Shaun Murphy mit Maguire nicht viel anfangen kann, war schon damals kein großes Geheimnis. 2004 trafen beide beim Grand Prix in Preston in der ersten Runde aufeinander. Der damals 22 Jahre alte Murphy war damals noch weitgehend unbekannt, Maguire mit 23 hingegen schon einer der Topspieler auf der Tour. Als er zum Match anstoßen wollte, bemerkte der Schotte, dass er seine Kreide vergessen hatte und bat den Schiedsrichter, sie rasch holen zu dürfen, was ihm gestattet wurde.

Murphy registrierte dies und sprach darüber mit dem Referee. Als Maguire nach knapp zwei Minuten wiederkehrte, hatte er den Frame kampflos verloren. Weil er nicht rechtzeitig am Tisch gewesen sei, um zu spielen, wie es in der offiziellen Begründung hieß.

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Maguire gewann das Match später dennoch, war allerdings ziemlich angefressen. „Klar, Regeln sind Regeln. Aber mir ist nicht bekannt, dass so etwas schon einmal vorgekommen ist“, sagte er und pflegte fortan ein Nichtverhältnis mit Murphy. Aus seiner Sicht hatte der Gegner beim Schiedsrichter insistiert und den Abzug des Frames eingefordert.

Murphy bestritt dies und schilderte Jahre später, was aus seiner Sicht damals wirklich passiert sei. „Maguire ist vom Turnierdirektor hinter den Kulissen gesehen worden. Der hat gemerkt, dass es eine Verzögerung gibt und Maguire deshalb bestraft.“ Die Zuschauer in der Arena oder den Fernsehschirmen hätten davon nichts mitbekommen, sondern nur die Diskussion Murphys mit dem Schiedsrichter gesehen und deswegen angenommen, er hätte auf die Regeln gepocht.

„Ich möchte kein fetter Weltmeister sein“, sagte Maguire einmal und meinte Murphy

Nun ließe sich so eine Begebenheit unter Profis schnell beheben, doch die beiden sind sich fortan spinnefeind. 2005 wird Murphy überraschend Weltmeister, ein Jahr später lässt Maguire nach seinem Erstrunden-Aus in Sheffield folgenden Satz fallen: „Ich habe im Sommer zu viel zugenommen und das hat mich die Saison gekostet. Ich muss fitter werden, denn ich möchte kein fetter Weltmeister sein.“

Was nach Selbstkritik klang, war ein versteckter Seitenhieb auf Shaun Murphy, der gerade in seinen Anfangsjahren längst nicht austrainiert wirkte und sich deswegen immer wieder Spott ausgesetzt sah.

Maguire ist seine Pfunde in den folgenden Jahren allerdings auch nicht mehr dauerhaft losgeworden, und zum WM-Titel reichte es für ihn bis heute nicht. Dass sich daran bei der diesjährigen Weltmeisterschaft etwas ändert, ist eher unwahrscheinlich. Immerhin bekommt er in der ersten Runde ein kleines persönliches Endspiel, denn das Los wollte es so, dass Maguire und Murphy nun erstmals in Sheffield aufeinandertreffen. Am Samstagabend beginnt das Duell, Sonntag wird es ab 20 Uhr entschieden (live bei Eurosport).

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Allgemein wird ein enges Match zweier Spieler erwartet, die in dieser Saison enttäuschten. Vize-Weltmeister Murphy erreichte gerade mal ein Halbfinale, Maguire ist in der Weltrangliste inzwischen auf Rang 40 abgerutscht und musste sich für die WM erst qualifizieren. Seine beste Zeit scheint lange vorbei zu sein, immerhin bietet ihm das Crucible Theatre nun noch einmal eine besondere Chance.

„Ich habe vielleicht drei oder vier Freunde, die Snookerspieler sind. Den Rest kann ich ehrlich gesagt nicht leiden“, sagte Maguire einmal. Namen nannte er seinerzeit nicht, aber klar ist, dass ihn mit Shaun Murphy allenfalls eine herzliche Abneigung verbindet.

Zwar sei der Vorfall von 2004 längst abgehakt, wie Murphy immer wieder betont hat. Ein Sieg in einem direkten Duell mit dem ungeliebten Rivalen dürfte dennoch genau der Start sein, den sich beide für diese WM wünschen.

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