Das deutsche Eishockeyteam will jetzt noch mehr

Bundestrainer Toni Söderholm ist noch nicht ganz zufrieden mit der Leistung seiner Spieler.
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An sich ist alles so schön wie seit Jahren nicht. Fünf Vorrundensiege am Stück bei einer Weltmeisterschaft hat die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft noch nie hingelegt. Es ist eine stolze Bilanz. Zumal in einem Jahr, in dem zuvor gegen weit schwächer besetzte Teams bei den Olympischen Winterspielen in Peking überhaupt nichts heraussprang, außer einem peinlich knappen Sieg gegen die Eishockeyrandnation China.

Und doch strahlen sie bei der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Finnland dieser Tage nicht vor Glück, vielmehr ist Selbstkritik angesagt – und nicht zu knapp. Nach dem vorletzten Vorrundenspiel konnte im deutschen Lager kaum jemand dem 5:4 gegen Kasachstan etwas abgewinnen. „Wir müssen konsequenter spielen und das jetzt analysieren“, sagte etwa der aus Berlin stammende Verteidiger Leon Gawanke, aktuell bei den Manitoba Moose in der American Hockey-League aktiv.

Bundestrainer Toni Söderholm war, wie schon nach dem Halligalli-9:4 gegen Italien, einmal mehr nicht mit der Defensivleistung seiner Spieler zufrieden. Dem Finnen ist ein 1:0 – wie gegen die starken Dänen – allemal lieber als ein 5:4. Am Dienstag fehlte Söderholm dann angeblich aufgrund „einer leichten Erkrankung“, was aber nichts mit dem Kasachstan-Spiel zu tun haben sollte.

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Bei aller Selbstkritik und Kritik am deutschen Spiel wird ein entscheidender Faktor oft übersehen: Die Deutschen haben, abgesehen vom 3:5 gegen Weltmeister Kanada zum Auftakt, immer einen Weg gefunden, die Spiele für sich zu entscheiden und dabei offensiv insgesamt überzeugt: 23 Tore in sechs Spielen sind eine gute Marke.

Was immer nun auch kommen mag, das Turnier ist mit der sicheren Viertelfinalteilnahme schon jetzt erfolgreich verlaufen aus deutscher Sicht. Schlechter als Platz sechs werden die Spieler von Söderholm kaum abschneiden.

Die Schweiz ist zu einem Favoriten auf den Titel gewachsen

Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es – wie 2021 bei der WM in Lettland – über das Viertelfinale hinausgeht. Das letzte Gruppenspiel gegen die Schweiz am Dienstag (11.20 Uhr, Sport1) ist ein guter Testlauf auf dem Weg in die K.o.-Runde. Noch ist sogar Platz eins in der Gruppe möglich, bei einem klaren deutschen Sieg, von dem aber nicht auszugehen ist.

Die Schweizer haben ihre stärkste Mannschaft sein Jahren am Start, spielen ein ungeheures Tempo und sind inzwischen, nach ihren sechs Siegen am Stück, darunter das 6:3 gegen Kanada, ganz klar zu einem Favoriten auf den Titel gewachsen. Und da ist natürlich auch noch eine Rechnung von 2021 offen: Da gewannen die Deutschen im WM-Viertelfinale gegen die Schweizer nach 0:2-Rückstand noch 3:2 nach Penaltyschießen.

Allerdings, sagt Gawanke, vor einem Jahr Torschütze zum 2:2: „Damals dachte auch jeder, die fegen uns aus der Halle und dann kam es anders.“ Es könnte auch am Mittwoch anders kommen für die Deutschen, wenn die Mannschaft das Schweizer Tempo mitgeht und so dynamisch spielt wie streckenweise gegen Kanada oder beim 2:1 gegen die Slowakei.

Und es wird auf die Torwartleistung ankommen. Womöglich hat sich Söderholm zuletzt etwas verzockt, als er Mathias Niederberger (gegen Italien) und dann Dustin Strahlmeier (gegen Kasachstan) ins Tor stellte – Philipp Grubauer könnte etwas aus dem Rhythmus gekommen sein. Allerdings ist das Spiel gegen die Schweiz auch für ihn ein guter Warmmacher für das Viertelfinale am Donnerstag – wahrscheinlich gegen die Schweden.

Die Kunst ist, mit denen gut aufzutreten, die spielen können und wollen

Sicher ist die WM-Abberufung von Tim Stützle durch seinen NHL–Klub Ottawa Senators nach dessen eher harmloser Verletzung nicht produktiv für das deutsche Spiel. Natürlich fehlen mit Leon Draisaitl, Dominik Kahun, Frederik Tiffels und nun auch Stützle die besten deutschen Stürmer im Team – aber die Kunst ist eben auch, mit denen gut aufzutreten, die spielen können und wollen.

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Dass es an der Konstanz im Spiel manchmal mangelt, ärgert Söderholm. „Aber das ist Jammern auf hohem Niveau“, sagt der Bundestrainer. Stimmt. 2021 hat sein Team in der WM-Vorrunde gegen einen Gegner wie Kasachstan gepatzt. So schlimm kann es nicht mehr werden.

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