Bei Rafael Nadal ist Sand im Getriebe

In Australien überraschte Rafael Nadal die Fachwelt und sich selbst. In Paris braucht es einen ähnlichen Husarenritt von ihm.
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Die Laune bei Rafael Nadal ist schon wieder titelreif. Das ist sie beinahe naturgemäß, wenn der Spanier zu seinem Lieblingsturnier reist. Doch in diesem Jahr ist sein Start bei den French Open in Paris von Zweifeln begleitet. Die wischte der bald 36 Jahre alte Tennisprofi am Freitag bei einer Pressekonferenz im Stade Roland Garros aber scherzend beiseite. Konfrontiert mit der Aussage von Alexander Zverev, dass Nadal auf dem Court Philippe Chatrier in Paris 30 Prozent besser spielen würde als sonst irgendwo auf der Welt, musste er grinsen.

„30 Prozent besser als auf allen Plätzen oder 30 Prozent besser als alle anderen Spieler?“, fragte er nach und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. „Vielleicht war ich hier mal 30 Prozent besser, aber das bin ich inzwischen nicht mehr“, fügte er noch beinahe sentimental hinzu.

Dass Nadal in diesem Jahr überhaupt in Paris antreten kann, war vor ein paar Tagen noch alles andere als sicher. Seine Fußverletzung, die ihn seit Jahren plagt und wegen der er 2021 monatelang ausgefallen war, hatte ihm zuletzt in Rom so sichtbare Probleme bereitet, dass eine Absage von Roland Garros möglich schien. Und auch wenn er nun doch antritt, bleibt abzuwarten, was er tatsächlich zu leisten im Stande ist. Der absolute Topfavorit ist er in diesem Jahr mit Sicherheit nicht.

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Gerade einmal fünf Matches hat er 2022 vor Paris auf Sand gespielt und davon auch noch zwei verloren. Er ist ohne Turniersieg auf seinem Lieblingsbelag in die französische Hauptstadt gereist und mit einer Verletzung, die Fragen offenlässt. „Was in Rom passiert ist, geschieht im Training immer wieder. Ich hatte danach ein paar Tage Schmerzen, aber jetzt geht es mir besser. Sonst wäre ich nicht hier“, versuchte er das Thema möglichst nicht zu hoch zu hängen.

Und die Situation, dass er ohne richtige Vorbereitung bei einem Grand-Slam- Turnier antritt, kenne er schließlich schon. „Das Gleiche ist in Australien gewesen und ich habe mich damals in eine Position gebracht, um dort eine Chance zu haben“, erklärte Nadal. Bei den Australian Open in Melbourne hatte er Anfang des Jahres sensationell den Titel gewonnen, seinen 21. bei einem der vier großen Turniere.

Danach setzte er seinen unglaublichen Siegeszug fort, gewann in Acapulco und zog auch in Indian Wells ins Endspiel ein. Dort stoppte ihn neben Sieger Taylor Fritz auch wieder einmal der eigene Körper. Ein während des Turniers erlittener Ermüdungsbruch im Rippenbereich führte anschließend zu einer mehrwöchigen Pause, erst in Madrid konnte er sein Comeback geben. „Es ist zweifellos so, dass andere Spieler momentan in besserer Verfassung sind, als ich es bin. Aber man weiß nie, was in den nächsten Tagen passiert“, sagte Nadal.

In Roland Garros hat Nadal bereits 13 Mal den Titel gewonnen. In diesem Jahr war seine Vorbereitung allerdings von Verletzungen geprägt.

13 Mal hat er das größte Sandplatzturnier der Welt schon gewonnen, von einem 14. Titel mag er vor seinem ersten Match gegen den Australier Jordan Thompson nicht sprechen: „Mein tatsächliches Ziel ist es, gut zu trainieren und von der ersten Runde an wettbewerbsfähig zu sein.“ Schon in der zweiten Runde könnte es zur Finalneuauflage von 2017 gegen den lange verletzten Schweizer Stan Wawrinka kommen.

Noch deutlich schwerer dürfte es für den Spanier in der zweiten Woche werden, sofern er die denn erreicht. Im Viertelfinale ist ein Duell mit Novak Djokovic möglich. Der Titelverteidiger ist der einzige Spieler, der Nadal bei den French Open zweimal besiegen konnte, zuletzt im hochklassigen Halbfinale des Vorjahres. Dazu sind auch noch Alexander Zverev, für den schon am Sonntag die erste Runde gegen den Österreicher Sebastian Ofner ansteht, und Jungstar Carlos Alcaraz in Nadals Tableauhälfte. „Vom Kopf her spielt das keine Rolle für mich. Aber klar, wenn du diese Namen siehst, ist es rein vom Tennisstandpunkt aus natürlich eine sehr harte Auslosung“, sagte Nadal.

„Ich bin nicht verletzt, ich bin ein Spieler, der mit einer Verletzung lebt.“

Insgesamt wirkte der Spanier in den Tagen vor dem Turnier dennoch locker. Er weiß selbst, wie es um ihn und seinen Körper bestellt ist. Nach seinem schmerzhaften Ausscheiden in Rom gegen den ansonsten auf Sand für ihn absolut beherrschbaren Kanadier Denis Shapovalov meinte er nur lapidar: „Ich bin nicht verletzt, ich bin ein Spieler, der mit einer Verletzung lebt.“ Vielleicht hilft Nadal das Wissen, dass jedes Turnier, das er im fortgeschrittenen Tennisalter noch spielen darf, für ihn an sich schon ein kleiner Triumph ist.

Dazu ist Paris in diesem Jahr für ihn auch noch einem anderen Grund besonders. Am kommenden Samstag findet hier das Finale der Champions League im Fußball statt und es ist kein Geheimnis, dass Real Madrid sein Herzensverein ist. Der trifft dann im Stade de France auf den FC Liverpool. Ob Nadal sich das Spiel live im Stadion ansehen werde, wurde er noch gefragt. Mit Nachdruck antwortete er darauf zunächst: „Es gibt für mich nichts Wichtigeres als hier in Roland Garros zu spielen. Das ist doch klar, oder?!“ Nach einer kurzen Pause fügte er schelmisch lächelnd hinzu: „Aber natürlich habe ich längst meine Tickets.“

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Bei Rafael Nadal ist Sand im Getriebe

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